Die Ideen des Johan Cruyff und ihre Bedeutung für den Kinderfussball und das Training mit Kindern

Wenn du laufen willst mach Leichtathletik. Aber wenn du Fußball spielen willst, brauchst du einen Ball“

Und immer noch kann man Kindermannschaften beobachten wie sie mit oder ohne Ball ihre Runden um den Platz drehen.

Fußball ist ein azyklischer Sport. Dauerlauf ist zyklisch.

Zum Fußballspielen braucht man fußballspezifische Ausdauer und die bekommt man bei den Spielformen.

Kinderfußball und Erwachsenenfußball sind zwei verschiedene Dinge.

Wodurch zeichnet sich das Fussballspiel im Kinderbereich aus, wenn es unbeeinflusst von Erwachsenen stattfindet?

Es ist grundsätzlich von der durchgehenden Jagd nach dem Ball bestimmt denn alle wollen ihn haben . Dieses Verhalten im Spiel kann man durchaus als Pressing bezeichnen.

Es handelt sich um ein natürliches instinktives Pressingverhalten um ballorientiertes Spiel.

Die Positionen werden im unbeeinflussten Fußball ständig gewechselt. Man greift gemeinsam an und verteidigt gemeinsam. Womit wir bei einer Art Positionsspiel wären.

Oder man geht noch einen Schritt weiter und spricht von „totaal voetbal“.

Diese Verhaltensweisen sind in den Kindern schon auf natürliche Weise angelegt. Warum sollte man sie nicht nutzen?

Warum sollte man diese Verhaltensweisen mühsam abtrainieren um sie später genauso mühsam wieder anzutrainieren?

Alle Trainer sprechen über Bewegung, über das Rennen soviel wie möglich. Ich sage rennt nicht soviel. Fußball ist ein Spiel das mit dem Kopf gespielt wird. Du musst im richtigen Moment am richtigen Ort sein nicht zu früh nicht zu spät.“

Die Spielintelligenz muss geschult werden! Die Spieler sollten später in der Lage sein selbständig offensiv und defensiv zu denken und zu agieren.

Wie können Kinder von selbst (implizites Lernen) herausfinden was mache ich wann in einer bestimmten Situation und welche Techniken wende ich dabei an?

Die Antwort darauf ist ganz einfach: Spielformen mit immer veränderten einfachen Regeln, verschiedenen Feldgrößen, verschiedenen geringen Spielerzahlen sowie verschiedenen Bällen (differenzielles Lernen).

Kinderfussball = Offensivfußball

Zitat Johan Cruyff:

Mein Team wird dem Angriffsfußball verpflichtet sein. Ich betrachte das nicht als Risiko. Im Gegenteil. Ich glaube, dass die Mannschaft, die den mutigsten Fußball spielt, am Ende auch die meisten Trophäen gewinnen wird. Wenn der Gegner vier Tore schießt, müssen wir halt fünf erzielten.“

Auch Kinderfußball sollte als Angriffsfußball verstanden werden. Denn das hinten drin stehen und die Null zu halten stammt eindeutig aus dem Erwachsenenfußball und widerspricht der natürlichen Verhaltensweise der Kinder.

Diese defensiven Verhaltensweisen gibt es auch im Straßenfußball zu dem ja eine Rückkehr stattfinden soll nicht.

Zitat Johan Cruyff:

Dauerläufe werden ebenso abgeschafft wie Krafttraining. Bis zum 16. Lebensjahr sehen die Barça-Schüler keinen Kraftraum, absolvieren keinen Dauerlauf, kein Zirkeltraining. (…) In Cruyffs La Masia wird fast ausschließlich mit dem Ball trainiert. Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit – das alles verbessern die Nachwuchskicker spielerisch. Ohne dies bewusst zu registrieren, denn ihr gesamtes Denken ist auf den Ball ausgerichtet.

Trainingspartien werden auf kleinen Feldern ausgetragen, denn Enge und Bedrängnis fördern die Technik und die Handlungsschnelligkeit. Ganz im Cruyff’schen Sinne wird das Hirn statt der Muskeln geschult. Es geht um Ideenreichtum, Beweglichkeit, Überblick, Entscheidungsfreude und schnell ausgeführte Entschlüsse. Das verwirrende Kurzpassspiel, das unter diesen Bedingungen entsteht und zum Kennzeichen des Barça-Fußballs wird, firmiert in Spanien noch heute als el cruyffismo.“

Dietrich Schulze-Marmeling „Der König und sein Spiel“

Beim Kinderfussball sollte fast ausschließlich mit dem Ball trainiert werden. Daß bedeutet gleichzeitig die Zahl der Ballkontakte muss so hoch sein wie nur irgend möglich.

Bei dieser Betrachtungsweise fallen automatisch die von mir so genannten traditionellen „Anstehübungen“ komplett weg.

Diese zeichnen sich durch lange Stehzeiten geringe Aktionszeiten und wenig Ballkontakte aus.

Zwei Übungen im Kinderfussball im Vergleich

Übung 1:

stage45

Übungsdauer ca. 30 Minuten (eigene Beobachtung) bei 10 Kindern, Aktionszeit im Durchschnitt eine Minute (Ball verspringt, Trainer verbessert und erklärt) , drei Durchgänge Aktionszeit 3 min, Standzeit 27 min pro Kind.

Das ist verschwendete Trainingszeit. Bei einer angenommenen Trainingseinheit von 90 Minuten ist das bereits ein Drittel der Zeit als reine Standzeit.

Wie viele Ballkontakte wären in den 27 Minuten möglich?

Sehr viele.

Wie spielnah ist diese Übung?

Nicht spielnah kein Gegnerdruck keine Mitspieler.

Kommen diese Situationen im Spiel vor?

Nein so kommen sie nicht vor.

Welche Entscheidungen muss der Spieler selbst treffen?

Keine alles ist vorgegeben.

Übung 2: Funinho

stage

Das ist ein gewaltiger Unterschied die Pausen und Aktionszeiten haben sich nahezu umgekehrt.

Wie viele Ballkontakte haben die Kinder in den 24 Minuten ?

Sehr viele.

Wie spielnah ist diese Übung?

Diese Art von Training ist das gleiche wie im Spiel, Tore erzielen und Tore verhindern.

Kommen diese Situationen im Spiel vor?

Exakt genauso sind die Situationen im Spiel.

Welche Entscheidungen muss der Spieler selbst treffen?

Die Spieler müssen alle Entscheidungen selbst treffen und zwar möglichst ohne Instruktionen von Aussen.

Gehe ich ins Dribbling oder spiele ich ab? Welches Tor ist frei?

Literatur:

Wein, Horst; Spielintelligenz im Fußball – kindgemäß trainieren; Aachen, 2009

Henseling, Marco, Maric Rene, Fußball durch Fußball Das Trainingshandbuch von spielverlagerung.de, 2015

Biermann, Christoph, Die Fußball-Matrix. Auf der Suche nach dem perfekten Spiel

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